Jahresrückblick Das war 2023

Liebe Freundinnen und Freunde der Medienwerkstatt,

mal wieder ist die Zeit des Innehaltens und der Jahresrückblicke gekommen. Ein kreatives, interessantes und forderndes Jahr neigt sich dem Ende entgegen.  

Der Rechtsruck im Land, gesellschaftspolitische Herausforderungen, internationale Kriege und blutige Konflikte – das alles beschäftigt uns als Medienschaffende und Privatpersonen sehr. In diesen schwierigen Zeiten geben wir weiterhin unser Bestes, der Verantwortung und Reichweite, die wir haben, gerecht zu werden und unseren Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft mit unseren Filmen zu leisten. Wir möchten Betroffene selbst zu Wort kommen lassen und Stimmen, die sonst weniger gehört werden, eine Bühne geben. Mit unseren Filmen aufklären und Zwischentöne einfangen. Wir geben unser Bestes, dieser Aufgabe auch 2024 wieder gerecht zu werden und arbeiten bereits an einigen Filmen zu diesen Themen. Doch nun möchten wir euch erst einmal aus diesem Jahr berichten. 

43 Jahre MedienwerkstattHappy Birthday to us! In den letzten vier Jahrzehnten hat die Medienwerkstatt viel erlebt: Menschen kamen und gingen, Generationswechsel wurden verhandelt, Technik veränderte sich in nie vorstellbaren Maßen. All das hat die Medienwerkstatt überlebt. Als Geburtstagsgeschenk an uns selbst hat Annette Link 43 Jahre Medienwerkstatt-Geschichte und den kollektiven Geist der Anfangszeit, der bis heute nachweht, in einen sehenswerten Film verpackt. Beim gemeinsamen Public Viewing sind sich alte und neue Gesichter der Medienwerkstatt begegnet (siehe Collage). Das war wunderbar!  

Ausbildung geschafft & Redaktionstrio: Unser Ex-Azubi André Batista Maia hat im Juli seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen ‒ und unterstützt, cuttet und filmt seitdem weiter in der Medienwerkstatt. Überhaupt ist André in den letzten Jahren ein unglaublich wichtiger Bestandteil unseres Teams geworden, der immer einen kühlen Kopf bewahrt und durch sein allumfassendes Kamerawissen der erste Ansprechpartner bei vielen technischen Problemen ist. Für seinen Abschlussfilm hat er eine junge Frau begleitet, die von sich selbst sagt: „Sport ist mein Leben.”  

Seit Jahresanfang unterstützt außerdem Annette Link unser Redaktionsteam, konzeptet, schreibt, setzt kreative Impulse ‒ und bereichert unser Programm mit eigenen Dokumentationen. 

Zukunftsperspektiven: Die Zukunftsperspektiven der Medienwerkstatt in unserer sich wandelnden Arbeits- und Lebenswelt und der bevorstehende Generationswechsel ‒ das sind Themen, die uns schon lange beschäftigen, und die wir in diesem Jahr endlich angehen wollten. Wie können wir uns weiterentwickeln und gleichzeitig unsere Grundwerte und den kollektiven Geist beibehalten? Um diese und weitere Fragen zu bearbeiten, haben wir in diesem Jahr einen Supervisionsprozess gestartet, den wir auch 2024 weiterführen werden.

Filmische Experimente: In diesem Jahr haben wir wieder zahlreiche filmische Experimente gewagt. Beispielsweise für unseren Film über fränkische Widerstandskämpferinnen im Nationalsozialismus. Bei der filmischen Umsetzung haben wir uns dazu entschieden, eine Schauspielerin zu engagieren, die für uns Schlüsselszenen aus dem Leben der Protagonistinnen nachgespielt hat. Das war eine aufregende und schöne Erfahrung, bei der wir uns auch mal in ganz anderen Bereichen ausprobieren konnten: etwa am Set-Design oder beim Location-Scouting. So haben wir beispielsweise eine alte Schreibmaschine besorgt und Pässe für eine Szene gebastelt. 

Alternativer Medienpreis: Im Mai wurde die Filmemacherin Lisa Hopp für ihren Film „Housing First – Das Ende der Obdachlosigkeit” mit dem Alternativen Medienpreis in der Kategorie Zukunft geehrt. Die Gewinner-Dokumentation rückt neue Wege zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit in den Fokus, gibt Betroffenen eine Stimme und zeigt auf, warum beim Umgang mit Obdachlosigkeit umgedacht werden muss. In ihrer Kategorie setzte sich der Film gegen Kolleg*innen der taz, der Süddeutschen Zeitung und des Y-Kollektiv durch. 

Altes & Neues: Mit Hilfe einer BLM-Förderung konnten wir in diesem Jahr unser   Social Media-Angebot weiter ausbauen. Im Zuge dessen haben wir zahlreiche filmische Archivfunde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Dokus gibt es in unserer Mediathek und auf unserem Youtube-Channel. Schaut doch mal vorbei! 🙂 Außerdem erstellen wir weiterhin regelmäßig Hintergrundinterviews zu unseren Sendungen. So haben wir bei der Ukrainerin Diana Zypina nachgefragt, wie es ihr ein Jahr nach Kriegsausbruch geht oder unsere Autorin Sara Reinhard zu ihrer Recherche für den Film über Iranerinnen in Nürnberg zu Wort kommen lassen. In unserer Gesprächsreihe zur Landtagswahl haben wir bei der jungen Jüdin Lena Prytula, dem Straßenkreuzer e.V. und Lilith e.V. nachgefragt, was ihre Sorgen, Hoffnungen und Wünsche sind. Und persönliche Einblicke gibt es auch: Zum internationalen Tag des Fahrradfahrens haben wir unsere Vereinsmitglieder zu ihrer Liebe zum Drahtesel befragt.

Straßenkreuzer-Ausstellung: Wir freuen uns sehr, dass wir einen Beitrag zur Straßenkreuzer-Ausstellung leisten konnten, die noch bis zum 21.01. im Neuen Museum zu sehen ist. Ausschnitte dreier Filme, die wir in der Vergangenheit über den Verein und seine Projekte produziert haben, sind Teil eines sehenswerten Ausstellungsfilms geworden. Wer die Ausstellung zum 30-jährigen Jubiläum noch nicht gesehen hat, sollte das schnell nachholen 🙂 

Filmvorführungen: Für Filmschaffende ist es das schönste, in Echtzeit zu sehen, wie Zuschauer*innen auf ihre Werke reagieren. Wir sind froh, dass wir nach der Pandemiezeit wieder häufiger Veranstaltungen mit unseren Filmen im Gepäck  besuchen konnten. So hat Bianca Schwarz im Juni ihren Film „Sturz und Vorurteil” im Kunstverein mit anschließender Podiumsdiskussion gezeigt. Abgerundet wurde das Programm mit Skateboardworkshops für Anfänger*innen. 

Zum Jahresende luden wir gemeinsam mit weiteren Veranstalter*innen ins Nachbarschaftshaus Gostenhof ein, um über Wohnungsnot, Hausbesetzungen der 80er Jahre und Initiativen und Perspektiven der Gegenwart zur Wohnungsfrage zu diskutieren. Gezeigt wurden dabei historische Filmausschnitte der Medienwerkstatt zum Thema. 

Unsere Praktikant*innen: An dieser Stelle müssen wir unbedingt noch unsere tollen Praktikant*innen erwähnen, die uns in diesem Jahr unterstützt haben. Lukas Jantschek, Igor Ermachkov, Timon Wegner und Lina Paulsen danke für eure Ideen, eure Kreativität und euer Engagement. Lukas arbeitet derzeit zusammen mit unserer Autorin Valeska Rehm an einer Dokumentation über die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt in Erlangen. 

Im letzten Jahr auf Sendung: 2023 haben wir wieder die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen: 

Begonnen haben wir das Jahr mit einer neuen Folge aus der beliebten Reihe „100-jährige erzählen”. Ende Januar haben wir den Fürther Bestsellerautoren Ewald Arenz und seine bunte Künstlerfamilie porträtiert.

Im Februar haben wir unsere altbewährte Reihe „Nachgefragt” wiederbelebt und uns bei Klima-Aktivist*innen, die bereits längere Zeit in Lützerath verbracht hatten, umgehört, welche Gedanken sie nach der Räumung umtreiben

Wir widmeten dem TIM e.V. ein bewegendes Porträt und gaben Veganer*innen aus Nürnberg eine Stimme. Wir begleiteten Skateboarderinnen aus der Region, die gegen Sexismus kämpfen und Skateplätze diverser gestalten möchten. Wir filmten mit iranischen Aktivist*innen auf Demos und zeichneten ihre individuellen Geschichten mit dem islamischen Regime auf. Wir trafen uns mit dem Nürnberger Friedensforum und diskutierten, ob „Frieden schaffen ohne Waffen” heute noch möglich sei. Wir zeigten anhand eines innovativen Bildungsprogramms aus Nürnberg auf, wie Musik unser Schulsystem verbessern kann und rückten – 

öffentlich ungewürdigte – Frauen, die gegen die Nazis Widerstand leisteten, in den Fokus. Im Juli wurde es futuristisch und wir begaben uns auf einen Streifzug durch Unternehmen, die mit „Workbots” arbeiten, beispielsweise in der Gastronomie. Quelle, AEG und Triumph Adler – die großen Schließungen der letzten Jahrzehnte haben bis heute Folgen. Im Juli schauten wir uns in der Weststadt um und zeichneten auf, wie die Wiederbelebung der Industriebrachen gelingt. Im September ging eine Fürther Theaterlegende in den Ruhestand. Deshalb widmeten wir Werner Müller ein spannendes Porträt. In „Alt aber nicht unsichtbar” ließen wir engagierte Senior*innen zu Wort kommen, die unsere Stadtgesellschaft aktiv mitgestalten. Wir begleiteten Menschen, die containern, eine Nacht auf Streifzug durch die Stadt und sprachen mit ihnen über Lebensmittelverschwendung. In „Neustart nach der Haft” bekamen wir persönliche und intime Eindrücke in die Gedankenwelt von Häftlingen, die kurz vor der Entlassung stehen. Im November feierte die Medienwerkstatt ihren 43. Geburtstag. Wir erinnerten uns mit einer Sendung an die Anfangszeit im Nürnberger KOMM. Wir rückten die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in den Fokus, indem wir die Inszenierung einer Theaterdarbietung an der Zeppelintribüne mit der Kamera begleiteten. Zum Jahresende widmeten wir uns erneut dem Bildungssystem und stellten Ideen aus der Region vor, die Schule ohne Aussortieren möglich machen. Zum Abschluss diskutierten wir Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen in „Make Gender irrelevant”.  

Wir möchten allen Auftraggeber*innen, deren Filmprojekte wir in diesem Jahr (wieder) realisieren durften, unseren herzlichen Dank aussprechen! Durch diese Produktionen gewinnen wir jedes mal Einblicke in spannende Themen, die wir sonst vielleicht nicht auf dem Schirm gehabt hätten. Und wir haben wieder viele interessante und nette Menschen getroffen oder interviewen dürfen. Nicht zuletzt sichern gerade diese Filme unser Fortbestehen als Filmschaffende. Es war uns eine Freude, mit Ihnen/Euch zusammenzuarbeiten!

Wir bedanken uns bei der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, der Stadt Nürnberg und allen anderen Unterstützer*innen und Partner*innen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Herzlichen Dank an alle für die gute Zusammenarbeit, das Interesse und die Wertschätzung für unsere Arbeit. Und jetzt wünschen wir Euch eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für das Jahr 2024!

Bis bald,

Eure Medienwerkstatt Franken