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Der Spielmacher

Zum Abschied von Werner Müller

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Sein oder Nichtsein – die letzte Inszenierung hat Werner Müller einem veritablen „Hamlet“ gewidmet. Ort: Freilichtbühne Kulturforum, Ensemble: Bagaasch, Wetter: Dauerregen. Die Premiere fiel ins Wasser. Man hätte dem Intendanten des Fürther Stadttheaters eine glänzendere Dernière zum Abschied gewünscht. Und doch zeigt der Klassiker mit einer freien Gruppe auch seine Stärke: Bescheidenheit. Keine große Bühne, kein Theaterdonner, kein Bohei zum Schluss. Nach 33 turbulenten Jahren verlässt Werner Müller Ende November das Stadttheater und geht in den Ruhestand.

Es war eine ungewöhnlich lange Zeit, eine außergewöhnliche Ägide, die dem Theater weit über die Region hinaus viel Lob und Preis eingebracht hat. Müller führte das einstige reine Gastspielhaus in eine neue Zeit, etablierte mit dem „Fürther Modell“ ein Dreispartenhaus, wozu später mit dem Brückenbau-Projekt von Jutta Czurda noch eine vierte Säule dazukam. Er animierte freie Ensembles, freie Künstler der Region mitzumachen, schließlich holte er auch die Bürger auf die Bühne. Dass Fürth heute eine Hochburg des Tanz-und Musicaltheaters ist, hat die Stadt vor allem Müllers Aufbauarbeit zu verdanken. Noch wichtiger: Dieser Intendant konnte rechnen und sorgte für eine hervorragende Auslastung. Nie gerierte sich der Theaterdirektor als mächtiger Prinzipal, als selbstverliebter Schöngeist oder vollblütiger Despot, wie Film und Fernsehen solch charismatische Chefs gern zeichnen. Müller machte zwar stets eine bella figura, doch er war vor allem ein Theatermacher, der schon mit 16 wusste, dass die Bühne die Welt bedeutet.

Unsere Autorin Kerstin Möller stellt in „Der Spielmacher“ den ungewöhnlichen Intendanten vor und zeigt im Rückblick Stationen und Glanzstücke eines prallen Theaterlebens.