„Wir dachten, eine Förderschule hat natürlich Betreuungsplätze am Nachmittag. Dann haben wir bei der Anmeldung erfahren, dass es keinen Platz am Nachmittag für Maxim geben wird. Das war für uns ein ganz großer Schock und dann standen wir da“, erzählt Johanna Sinitson im Film „Kein Platz für mich? Wie Kinder mit Behinderung und ihre Familien allein gelassen werden.“ Allein gelassen, überfordert fühlt sich die Familie, total verloren im Behördendschungel zwischen Schulamt, Jugendamt, Bezirk und Trägerorganisation. Niemand nimmt sie in dieser Situation an die Hand. Ihr Sohn Maxim lebt mit dem Downsyndrom. Beide Eltern sind berufstätig, die Familie ist auf eine Betreuung am Nachmittag angewiesen. Auch, damit Maxim überhaupt eine Chance hat, in seiner Freizeit in Kontakt mit Gleichaltrigen zu kommen. Die Kinder in der Nachbarschaft haben an ihm kein großes Interesse.

Die Familie wohnt im Schulsprengel der Merianschule, einer Förderschule mit dem Profil geistige Entwicklung. Und hier fehlen schon seit Jahren Plätze in der dort angeschlossenen Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT). Und nicht nur dort. Laut Zahlen der Regierung Mittelfranken hat jedes dritte Kind an einer Förderschule mit dem Profil geistiger Entwicklung keinen HPT-Platz. Das bestätigt Lena Klink von der Lebenshilfe Nürnberg, die zwei von drei Tagesstätten für Schüler*innen mit geistiger Behinderung in der Stadt betreibt und ebenfalls im Film zu Wort kommt. „Ich weiß es von anderen Städten in der Metropolregion, dass die dieselben Probleme haben, dass immer mehr Kinder in das System kommen. Das ist also nicht nur ein Nürnberg-Phänomen.“ Warum hat noch niemand darauf reagiert und wie geht es den Familien damit? Was brauchen die Kinder wirklich, was wünschen sie sich und wie reagieren Politik und Behörden auf die Misere?

Filmautorin Annette Link, die selbst eine Tochter mit einer geistigen Behinderung hat, stellt all diese Fragen in ihrer neuesten Doku. Sie trifft sich neben den Sinitsons mit dem Elternbeirat der Merianschule und mit einer Vertreterin der Lebenshilfe, die die HPT betreibt. Sie lernt Sebastian (17) kennen, der zwar einen HPT-Platz hat, aber kaum Kontakt zu Jugendlichen ohne Behinderung, was vor allem seine Mutter Claudia schmerzt. Sie spricht mit Silvia, Mutter von Johanna (10), die darum kämpft, ihrer Tochter ein inklusives Ferienprogramm zu finanzieren. Und sie hört vor allem ihrer eigenen Tochter zu, die, nahezu nonverbal, dennoch Wege gefunden hat, deutlich ihre Meinung zu sagen.

Der Film wurde realisiert mit finanzieller Unterstützung der Heidehof Stiftung in Stuttgart und der Rudolf und Eberhard Bauer Stiftung in Nürnberg. Herzlichen Dank dafür!


Wir zeigen den Film „Kein Platz für mich? Wie Kinder mit Behinderung und ihre Familien allein gelassen werden“ ” von Annette  Link am Sonntag, 19. Juli um 21 Uhr auf Franken Plus (Satellit) sowie um 19, 21 und 23 Uhr auf Franken Fernsehen (Kabel). Wiederholung am 2. August zu den gleichen Sendezeiten. Livestream: frankenfernsehen.tv.