Medienwerkstatt und Fahrradfahren ist wie Spaghetti mit Tomatensoße. Wir haben nicht nur mehrere Filme übers Radfahren gedreht, sondern auch ein super Lastenfahrrad, mit dem wir zu Dreharbeiten vorfahren und ein Klapprad, das sich jede(r) spontan ausleihen kann. Außerdem arbeiten bei uns einige leidenschaftliche Radler*innen. Klar, dass wir sie heute am 3. Juni, dem Tag des Fahrrads zu Wort, kommen lassen.


„Radfahren ist für mich… frei sein!“

Winny Schuhmann, Schnitt, Kamera, Autor

Anzahl der Fahrräder: Ohjee, wahrscheinlich sieben Fahrräder, alles gebrauchte Räder! Die meisten habe ich geschenkt bekommen, das kann doch nicht weggeschmissen werden 🙂

Lieblingsrad: Ein Herkules Toledo Titanium Rennrad, vermutlich aus den 90ern. Der Rahmen ist aus einem Aluminium-Titan-Gemisch und sollte ein paar Gramm weniger wiegen. Aber leider hat das nicht funktioniert. Der Rahmen ist bei Herkules bereits in den Verkaufsregalen gerissen. Aber meines hat gehalten und ist wunderschön (schwarzer Rahmen und rote Bremsen, Pedale und Kabel).

Erstes Rad: Ich kann mich noch an die Farbe erinnern: blau. Das war nichts Tolles, wir waren eine Familie mit fünf Kindern und damals habe ich mich auf mein erstes Auto gefreut. Das war dann ein hellblauer VW-Variant. Naja…

Radkilometer pro Woche: Ich radle im Jahr so 7000 km, keine Ahnung, was das in der Woche ist. Ich fahre mit dem Rad alles. Ich habe das Glück, dass die Medienwerkstatt ein Lastenrad angeschafft hat, damit fahre ich zu jedem Dreh innerhalb Nürnbergs und nutze es auch zu jedem Privateinkauf. Dafür bezahle ich die Wartung und Reparatur des Rades. Keine Ahnung, warum es noch Autos in der Innenstadt gibt.

Ich habe mit meiner Frau in den 90ern in der Nordstadt gewohnt. Wir hatten beide ein Auto. Wir haben uns fast jeden Abend getroffen, als wir verzweifelt einen Parkplatz gesucht haben. Zum Jahrtausendwechsel habe ich mich dazu entschlossen, das muss ein Ende haben!

Gründe mal nicht aufzusteigen: Keine, warum auch? Was mich unglaublich beschäftigt, ist: dass unsere Staatanwaltschaft und Polizei die „Letzte Generation“ gerichtlich verfolgt und kriminalisiert. Diese alten Menschen der Staatsanwaltschaft stammen aus meiner Generation. Sie wollen sich uneingeschränkt mit ihren Autos in der Stadt bewegen. Klimawandel gibt es da nicht. Sie schlagen und bedrohen die Protestierende aus der letzten Generation. Das erinnert mich an Wackersdorf und an die Komm-Massenverhaftung. Da werden junge Menschen verfolgt und verhaftet, welche um ihre Zukunft bangen. Ich schäme mich für meine Generation….

Lustigstes Fahrraderlebnis: Naja, ich habe mir eingebildet im hohen Alter noch einmal mit dem Rennradfahren zu beginnen, mit Klickpedalen. Dann hab‘ ich mich mehrfach hingelegt … das schlimmste war dann der Sturz mitten in der Stadt vorm Kaffee Katz. Ich wollte nach dem Sturz möglichst schnell wieder auf das Rad steigen, dabei bin ich sofort wieder ausgerutscht und wieder gefallen, die Gäste im Kaffee haben vor Schreck geschrien und dann hat mich Christian Höhn wieder aufgehoben, das war echt peinlich, aber auch irgendwie lustig, schön, wenn wir zusammenhalten!

Schrecklichstes Fahrraderlebnis: Es gibt einen unglaublichen Hass zwischen Autofahrer und Radfahrer, das ekelt mich an! Wir sollten uns gegenseitig schätzen und Rücksicht nehmen! Das sollte für beide Parteien gelten! Ja das wünsche ich mir! Das gilt natürlich auch für Fußgänger.

 


„Mein Fahrrad und ich… sind eine gut funktionierende Zweckgemeinschaft“

Annette Link, Autorin, Redaktion

Anzahl der Fahrräder: Mir gehört ein Fahrrad, es ist ein altes Tourenrad, das sicherlich mittlerweile mehr als 100.000 Kilometer auf dem Buckel hat. Ich werde es fahren bis es komplett auseinanderfällt. Ein Lastenrad und ein Tandem teile ich mir mit meinem Mann und meiner Tochter. Und dann gibt es noch einen einrädrigen Trailer zum Anhängen, einen echten Anhänger, zwei Kindersitze… Der Fuhrpark in unserem Vorgarten ist riesig.

Lieblingsrad: Am Anfang habe ich unser Lastenrad gehasst, weil ich mich schwergetan habe, das Monstrum mit Motor, Batterie und Aufbau beim Anfahren und Absteigen zu halten (es ist zweirädrig). Mittlerweile habe ich den Dreh raus und finde es schon ganz cool damit rumzukurven. Beim schönen Wetter hole ich meine Tochter aber noch lieber mit dem Tandem ab.

Erstes Rad: Ich vermute, dass es ein altes abgelegtes Rad meines Bruders war, das er wiederum von einem unsere älteren Cousins bekommen hat. Mein Bruder ist drei Jahre älter als ich und alles, was er gerade lernte, wollte ich auch können. So habe ich ziemlich früh Radfahren gelernt – für damalige Verhältnisse. Heute können die Kids dank ihrer Laufräder ja noch früher fahren. Das finde ich super.

Radkilometer in einer Woche: Früher als ich noch in Tennenlohe gearbeitet habe, bin ich 300 Kilometer in der Woche gefahren. Jetzt ist es erheblich weniger, weil ich mich nun hauptsächlich in und um Nürnberg mit dem Rad fortbewege. Für mich ist Radfahren tatsächlich hauptsächlich ein Fortbewegungsmittel und kein Sportgerät. Wir bringen unsere Tochter mit dem Rad in die Schule, wir kaufen mit dem Rad ein….und ich fahre eigentlich immer mit dem Rad zur Medienwerkstatt und auf Drehs, wenn es nicht wichtig ist, mit dem Team im Auto mitzufahren, um Sachen vorab zu besprechen.

Gründe mal nicht aufzusteigen: Außer bei Schnee, Glätte oder Sturm fahre ich eigentlich immer, weil man in Nürnberg im Vergleich mit den Öffis oder mit dem Auto mit dem Rad eigentlich fast immer schneller am Ziel ist. Du bist flexibler, muss nicht immer auf die Uhr schielen, wann die letzte U-Bahn fährt und brauchst nicht nach einem Parkplatz suchen, wenn du nach Hause kommst. Unsere Siedlung (Loher Moos) ist hundert Jahre alt, da wurden Siedlungen noch nicht rund um Autos geplant. Es gibt keine Garagen, die Straßen sind eng, man muss langsam fahren, die Kinder können auf der Straße spielen… Ich finde das super! Warum es Nachbarn mit zwei bis drei (oder sogar vier!) dicken Autos gibt, die sich jeden Tag durch unsere Straßen quälen auf der Suche nach einem Parkplatz ist mir ein Rätsel. Unsere Siedlung wäre wie gemacht für eine komplett autofreie Zone mit Car Sharing…  naja man darf ja noch träumen….

Lustigste Fahrraderlebnis: Lustig, so halb: Mir wurde in München mal ein Rad geklaut. Das hatte mich durch mein ganzes Studium in Erlangen begleitet und ich habe es für meinen Start ins Arbeitsleben mitgenommen. Ich hatte es lila angestrichen (ok, war damals jetzt nicht so innovativ 😉) und ich hatte schon irgendwie drangehangen. Jedenfalls war es eines Tages weg. Mein einfaches Zahlenschloss, mit dem ich es abgesperrt hatte, war wohl zu leicht zu knacken. Nun, zirka ein Jahr später stand es da plötzlich in einem völlig anderen Stadtteil… und es war noch mit meinem alten Schloss, mit der gleichen Zahlenkombi abgesperrt. Also habe ich es mir „zurückgeklaut“. Das war für mich eine Genugtuung.

Schrecklichste Fahrraderlebnis: Schrecklich ist in jedem Fall dieser „Krieg“ im Straßenverkehr. Hierbei sind Fahrradfahrer*innen übrigens nicht die besseren Menschen! Dieses an der Ampelvorgedrängle oder Wettrennengefahre entlang der Mauer, geht mir tierisch auf den Geist. Was ist das nur, dass wir immer schneller, besser … sein wollen? Lassen wir das.

Manchmal sind ja sogar schreckliche Erlebnisse für was gut. Wie mein Unfall direkt vor einem Vorstellungsgespräch. Da war ich übel auf Schotter ausgerutscht und hatte mir die Hand aufgerissen. Blutüberströmt, voll mit Adrenalin, bin ich weiter zum Interview geradelt. Der Geschäftsführer des Verlags hat sich dann rührend um mich gekümmert…  Das blieb ihm wohl ebenfalls in bester Erinnerung. Denn obwohl ich den Job sausen ließ (hatte mir dann doch nicht so zugesagt) erkannte er mich nach Jahren in der Stadt sofort wieder und wir konnten gemeinsam über den Schreckmoment von damals lachen.


„Radfahren ist für mich… mehr als ein Fortbewegungsmittel“

André Batista Maia, gerade noch Azubi (Mediengestalter, Bild und Ton)

Anzahl der Fahrräder: Ich besitze zwei Fahrräder.

Lieblingsrad: Mein Rennrad weil es schön aussieht.

Erstes Rad: Mein erstes Fahrrad war ein kleines, gelbes Kinderfahrrad, welches ich bis ich sechs Jahre alt war gefahren bin.

Radkilometer pro Woche: Je nach Wetter und Zeit zwischen 100 und 250km. Zum Teil, für den Weg zur Arbeit, aber auch einfach aus Spaß.

Gründe mal nicht aufzusteigen: Wenn ich weiß, dass der Weg dorthin mit dem Fahrrad sehr umständlich ist und ich mich eher aufrege als entspannt anzukommen.

Lustigste Fahrraderlebnis: Ich bin mal mit einem Freund eine Abfahrt im Wald herunter gefahren, ohne zu wissen, dass uns eine scharfe Kurve erwarten wird. Wir sind geradeaus in den Wald weitergefahren.

Schrecklichste Fahrraderlebnis: An einem Nachmittag außerorts fast von zwei Autos erwischt zu werden und natürlich die zahllosen platten Reifen.


„Mein Fahrrad und ich… sind unzertrennlich“

Sabrina Marzell, Autorin

Anzahl der Fahrräder: Eins.

Lieblingsrad: Mein einziges Radl ist auch mein Lieblingsradl, weil es sehr bequem ist und ich die weinrote Farbe liebe.

Erstes Rad: Mein erstes Rad war ein rotes PUKY Laufrad. In Ringsee, einem Stadtteil von Ingolstadt, haben meine Eltern, mein Bruder und ich neben einem Bauernhof gewohnt. Eine Wiese hat die Grundstücke getrennt. Wenn ich die Hasen im Stall besuchen wollte, bin ich meistens mit dem Laufrad den Trampelpfad entlang gefahren. Also durch die Wiese. Das ging am schnellsten. Kurz vor der Einschulung habe ich dann ein neues Rad bekommen, wieder ein PUKY Rad in Tigerentenfarben.

Radkilometer pro Woche: Im Durchschnitt 30 Kilometer. Zur Arbeit und wieder zurück. Von meinem Wohnhaus zum Wolfsgarten, zum Hainberg, ins Schwimmbad und in die Desi. Zur Medienwerkstatt komme ich meistens mit dem Rad oder sogar zu Fuß. Wenn Drehorte nicht zu weit weg sind, dann fahre ich mit dem Rad hin.

Gründe mal nicht aufzusteigen: Sibirien fällt mir spontan ein. Aber umso länger ich darüber nachdenke, würde ich, wenn ich genug Zeit und Lust hätte es vielleicht doch machen. Wenn meine Oma Gulasch und Quarkknödel für mich kocht, würde ich dafür nicht aufs Radl steigen.

Lustigste Fahrraderlebnis: In Schweden bin ich während meinem Auslandsemesters einmal umgezogen. Ich hatte so wenig Gepäck, dass ich mit dem Rad umziehen konnte. Rollkoffer habe ich am Gepäckträger befestigt, so bin ich dann die 12 km zu meiner neuen Butze gefahren…

Schrecklichste Fahrraderlebnis: Ich bin grade frisch nach Nürnberg gezogen und dann wurde mir mein schickes KTM Rad an der Rothenburger Straße geklaut, obwohl es abgesperrt war.

 


„Mein Fahrrad und ich… sehen richtig gut zusammen aus!“

Julia Riese, Autorin

Anzahl der Fahrräder: Eins. Naja, eigentlich drei, aber mit den anderen beiden fahre ich nicht mehr.

Lieblingsrad: Den Neuzugang aus dem letzten Jahr: ein stadttaugliches Mountainbike. Das ist das erste Rad seit meiner Kindheit, das nicht gebraucht ist. So ein neues, schönes Fahrrad macht einfach richtig Bock.

Erstes Rad: Ich weiß nicht mal mehr die Farbe, aber dass ich mit Stützrädern gefahren bin. Das brauchen die Kids heute ja gar nicht mehr, wenn sie vorher schon mit dem Laufrad unterwegs sind.

Radkilometer pro Woche: Das kommt sehr auf die Woche an. Manchmal sind es vielleicht 10 Kilometer (die Wege in Erlangen sind kurz). Wenn ich viel Ausgleich brauche oder zu Terminen radle, können es auch 70 km sein. Bei gutem Wetter fahre ich auch mal mit dem Rad von Erlangen nach Nürnberg zur Medienwerkstatt. Und wenn es ein Dreh in Nürnberg ist, gerne auch! Die Medienwerkstatt hat ja ein sehr cooles Lastenrad. Da im Moment Bergkirchweih ist, ist allerdings mehr Laufen als Radeln angesagt. 😉

Gründe mal nicht aufzusteigen: In Nürnberg wird es mir schon manchmal mulmig auf dem Rad. Da versuche ich meine Route so zu planen, dass möglichst viele richtige Radwege dabei sind oder ich nehme einfach gleich die U-Bahn.

Lustigste Fahrraderlebnis: Da fällt mir spontan leider nichts ein, aber ich würde gerne mal einen der langen Urlaubsradwege fahren, egal ob Ostsee- oder Mosel-Radweg. Bisher hat mich die Orga abgeschreckt (was muss mit, wo übernachte ich, wie viel Strecke schaffe ich). Aber in einem Radl-Team könnte ich mir das richtig gut vorstellen!

Schrecklichste Fahrraderlebnis: Abgesehen von den Diebstählen (Drei Räder habe ich so verloren, alle waren angeschlossen) war das ein großer Fahrradunfall von knapp 10 Jahren, bei dem ich mich ziemlich schlimm verletzt habe. Das Fahrrad hat auch einiges abbekommen, aber auf das hätte ich mich danach sowieso nie wieder gesetzt.

 

Film-Tipp zum Thema Radfahren:

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