Ein gutes Jahr geht zu Ende. Moment mal. Kann man in Corona-Zeiten von einem guten Jahr sprechen? Wir finden schon. Weil das Team der Medienwerkstatt momentan gesund ist und weil wir, anders als viele andere Menschen und Einrichtungen aus der Nürnberger Kultur- und Medienszene, bisher nicht um unsere Existenz zittern mussten. Nicht falsch verstehen: Auch für uns war 2020 alles andere als einfach. Aber Gesundheit und Fortbestehen sind mehr, als man sich am Ende eines solchen Pandemie-Jahrs wünschen kann. Dafür sind wir dankbar. Das ist nicht selbstverständlich. 

Drehen in der Pandemie – geht das? Zugegeben, einfach war das nicht, trotz Pandemie weiterzudrehen. Viele Projekte, die lange geplant waren, wurden verschoben oder abgesagt. Immer wieder mussten wir neue Ideen und Sendungen aus dem Boden stampfen. 650 Minuten Film pro Jahr zu produzieren – das sind rund 22 Beiträge – ist so schon eine Herausforderung. Und mit Virus noch viel mehr: Nicht nur, weil zum Beispiel Veranstaltungen, bei denen wir drehen wollten, abgesagt wurden, sondern auch – und vor allem, weil wir natürlich kein Risiko eingehen wollen. Viele der Drehs konnten nicht so umgesetzt werden, wie wir das eigentlich hätten tun wollen. Vor allem die sprichwörtliche Nähe zu unseren Protagonist*innen, die für uns als Filmschaffende so wichtig ist, war auf einmal nicht mehr möglich. Unsere Lösungen dafür: viele Drehs draußen, mit Maske (das Foto zeigt Winny und Günther im Mai), viel Abstand und Desinfektionsmittel, Interviews per Skype, Schnitt-Termine „auf Distanz“ und vieles mehr.

Neue Homepage: Seit Februar ist unsere neue Homepage mit übersichtlicherer Mediathek, mehr Infos zu unseren Filmemacher*innen und einem Blog mit Hintergrundberichten und Interviews online (www.medienwerkstatt-franken.de). Fast ein halbes Jahr haben wir daran getüftelt und wir arbeiten im Hintergrund immer noch daran. Über ehrliches Lob und konstruktive Kritik freuen wir uns natürlich und wir hoffen, dass unsere Mediathek in Zeiten des Lockdowns auch mal eine Alternative zu Netflix, Amazon Prime und Co. ist. Support your local Film-Team 😉

Unser Neuer: Im Sommer hat unser bisheriger Auszubildender Moritz Bogen seine Lehre beendet. Wir waren überrascht, wie viele Bewerbungen wir für seine Nachfolge bekommen haben. Dass wir die absolut richtige Entscheidung getroffen haben, wissen wir seit 1. September, dem Arbeitsbeginn von André Batista Maia (Foto, untere Reihe links). Dieser wagte sich schon nach wenigen Monaten an die Kamera heran und ist aus unserem Team schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Hier stellt André sich vor. Sein Vorgänger Moritz ist uns nach wie vor als Kameramann treu.

CO2-frei unterwegs: Seit Sommer haben wir ein weiteres neues „Teammitglied“ – unser elektrisches Lastenfahrrad, mit dem wir zu den Drehs im gesamten Stadtgebiet fahren. Mehr als 1700 Kilometer haben wir seit August damit zurückgelegt, auch bei Regen und Schnee (Foto). Die meisten Kilometer davon stecken sicherlich in den Waden unseres Kollegen Winfried Schuhmann.

Runder Geburtstag: Sang- und klanglos fiel aufgrund der Pandemie unser Vereinsjubiläum aus. In diesem Jahr hatten wir unseren 40. Geburtstag. Und auch wenn die große Party noch aussteht, haben wir uns sehr gefreut über den Artikel von Birgit Nüchterlein in den Nürnberger Nachrichten und die Abstands-Fotos, die die Nürnberger Künstlerin und Fotografin Claudia Holzinger im Rosenaupark (siehe oben) von uns gemacht hat. Nein, die Bank ist nicht echt. Das war Photoshop. Gruppenfotos sind in diesen Zeiten ja eine Herausforderung 😉

Alternativer Medienpreis: Im Frühjahr wurde unsere Kollegin Vanessa Hartmann für ihren Film „Als hätte es sie nie gegeben“ mit dem Alternativen Medienpreis in der Kategorie Geschichte ausgezeichnet. In der Dokumentation erzählt die Autorin die Geschichte der Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“ in den Einrichtungen der Diakonie in Neuendettelsau und Ansbach. Auch an Kollegen von NDR und Spiegel gingen Auszeichnungen.

Gast aus Ulan Bator: Ein ganz besonderes Team-Mitglied mussten wir im Juni verabschieden. Die mongolische Journalistin und Fotografin Unurjargal Samiya (Foto, untere Reihe Mitte) war für mehrere Monate für ein Praktikum zu uns nach Nürnberg gekommen. Aufgrund der Pandemie blieb sie länger als gedacht – was uns sehr freute. Wir vermissen sie – und haben schon einige Ideen für mongolisch-deutsche Filmprojekte. Hier ein Text, den Unja für unseren Blog geschrieben hat.

Und was war sonst noch? Trotz Pandemie konnten wir viele wichtige Themen aufgreifen. Wir sind der Frage nachgegangen, wie weit Pränataldiagnostik gehen darf, und haben den Künstler Bernd Pflaum auf seiner vorerst letzten Tour als Bird Berlin begleitet. Wir haben versucht, den Blick für die unscheinbare aber wichtige Architektur der 50er-Jahre in Nürnberg zu schärfen und haben uns auf die Spuren des Alten Kanals begeben. Wir haben den Künstler Peter Angermann porträtiert und den Corona-Lockdown in Nürnberg im Bild festgehalten. Wir haben gezeigt, wie Rentner*innen in dieser Krise den digitalen Kontakt zur ihren Liebsten halten und warum Menschen sich für das minimalistische Leben im Tiny House entscheiden. Wir sind der Esskultur an der Imbissbude auf den Grund gegangen und waren im Stadtteil Großreuth hinter der Veste sowie dem Nürnberger Reichswald unterwegs. Wir haben uns in die Diskussion um Freiräume für Künstler*innen in dieser Stadt eingemischt, mit jugendlichen Obdachlosen über ihr Leben gesprochen und einen filmischen Museumsmarathon durch Nürnberg hingelegt. All diese Filme und viele andere kann man in unserer Mediathek anschauen. 

Regionale Musiker*innen für Filmmusik gesucht: Wir wollen künftig Musikschaffende aus der Region unterstützen und ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Musik in unseren Filmen zu präsentieren. Bitte weitersagen. Wer Lust und Interesse hat, kann auf uns zukommen.

Noch ein runder Geburtstag: Im Januar feiert unser „Anchorman“ Michael Aue (Foto unten rechts) seinen 70. Geburtstag. Auch wenn er sich – berechtigterweise – fortan etwas mehr zurückzieht und sich mehr Freizeit gönnt, bleibt er uns zum Glück als Autor und Moderator erhalten.

Wir wünschen schöne Feiertage und alles Gute – vor allem Gesundheit – für das Jahr 2021!

Wir bedanken uns bei der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, der Stadt Nürnberg und allen anderen Unterstützer*innen sowie Partner*innen und Auftraggeber*innen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Herzlichen Dank an alle für die gute Zusammenarbeit, das Interesse und die Wertschätzung für unsere Arbeit!