Vom Reiz des Unscheinbaren

50er-Jahre-Architektur in Nürnberg

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Nürnberg, 1945: Nach dem 2. Weltkrieg war die historische Altstadt so gut wie vollständig zerstört. Doch der Wiederaufbau begann schnell: 1947 wurde das erste Privathaus gebaut, 1949 das Dürerhaus eingeweiht und mit dem Bau der Staatsbank am Lorenzer Platz (heute: Heimatministerium) begonnen. 1953 feierte das markante Plärrerhochhaus seine Eröffnung.

Von dieser Wiederaufbau-Architektur ist heute die komplette Nürnberger Innenstadt geprägt – im Großen wie im Kleinen, von der luftigen Hausfassade hin zum schwungvollen, handfreundlichen Türgriff. Doch der auf den ersten Blick nüchterne, funktionelle und bisweilen als spießig empfundene Baustil der 50er Jahre ist in der Bevölkerung nicht immer gut angesehen. Auch das Gerücht, dass nach dem Krieg nur minderwertiges Baumaterial zur Verfügung gestanden habe, hält sich bis heute hartnäckig. Kein Wunder, dass Gebäude aus jener Epoche in Nürnberg oft als nicht sonderlich erhaltenswert eingestuft werden.

Zusammen mit Kameramann Günther Wittmann war Autor Robert Lohner in der Stadt unterwegs. Er hat Menschen getroffen, für die das Pellerhaus, die alte Apotheke in der Bindergasse, das Café Opera in der Ostermayr-Passage oder der ehemalige Blumenpavillon am Guttenbergplatz ganz besondere Orte sind. Oft wird die Architektur der Nachkriegsjahre wenig wertgeschätzt oder schlicht nicht beachtet. Der Reiz der Architektur der 50er Jahre ist das außergewöhnlich Unspektakuläre. Und was man nicht vergessen darf: Den Architekten jener Epoche ging es nicht nur um schnellen Wiederaufbau – sie hatten einen Plan und wussten (schon) ganz genau, was sie tun….

Jahr

2020

Datum

06.07.2020

Autor/in