Die KOMM-Massenverhaftung

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1981 kam es in Nürnberg zu einem der größten Polizei- und Justizskandale in der Geschichte der Nachkriegszeit. Schauplatz war das selbstverwaltete Jugend- und Kommunikationszentrum KOMM. Der CSU – Landesregierung war das KOMM schon lange ein Dorn im Auge, Franz Josef Strauß beschwor gar den „Kern einer neuen terroristischen Bewegung“. Als es am Abend des 5. März 1981 zu einer
spontanen Demonstration kam, wurde die Gelegenheit genutzt, um ein Exempel zu statuieren. So wurden einige eingeschmissene Schaufensterscheiben schnell zum Straftatbestand „Landfriedensbruch“ aufgebauscht. Nachdem anschließend einige Demonstranten ins KOMM gegangen waren, umstellte die Polizei das Gebäude. Alle KOMM-Besucher wurden nach stundenlangem Belagerungszustand abgeführt, 141 dauerhaft inhaftiert. Mehr als die Hälfte hatte nicht einmal an der Demonstration teilgenommen. Ihnen allen wurde der wortgleiche, fotokopierte Haftbefehl ausgestellt. Doch dies war erst der Auftakt einer beispiellosen Reihe von Verstößen gegen rechtsstaatliche Prinzipien und fundamentale Bürgerrechte. Die Verantwortlichen wurden niemals zur Rechenschaft gezogen, die Hintergründe niemals restlos aufgeklärt und die Betroffenen warten bis heute auf eine Entschuldigung. Was zurück blieb, bleibt bis heute. Fassungslosigkeit angesichts dieses Justizskandals und
Machtmissbrauchs. Das Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit und Staatsmacht wurde bei vielen Betroffenen und Beobachtern tiefgreifend erschüttert. Die MEDIENWERKSTATT hat mit Zeitzeugen gesprochen und sie gefragt, wie sie aus heutiger Sicht die damaligen Ereignisse einschätzen und wie sie mit den einschneidenden Erlebnissen umgehen.

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