Kategorie: Zeitgeschichte
13.02.2001

Die vergessenen Kinder von Strüth



Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten zionistische Gruppen von Osteuropa aus Kindertransporte nach Palästina. Auf ihrer Reise ins Gelobte Land strandeten im Frühjahr 1946 über 300 zumeist ungarische Waisenkinder in Mittelfranken. Die Jungen und Mädchen, die mit viel Glück den Holocaust überlebt hatten, fanden für knapp zwei Jahre Zuflucht in der ehemaligen Lungenheilanstalt Strüth bei Ansbach.

Das fränkische Sanatorium verwandelte sich in das erste jüdische Kinderheim im besetzten Nachkriegsdeutschland. Da zu diesem Zeitpunkt eine Emigration nach Palästina nicht möglich war, die englische Mandatsmacht verwehrte den Juden die Einreise, mussten die Kinder und Jugendlichen in Deutschland ausharren. Allerdings verließen immer wieder kleine Gruppen das Waisenhaus und versuchten illegal, das Gelobte Land zu erreichen.

Das Schicksal des Flüchtlingsschiffes Exodus machte im Sommer 1947 weltweit Schlagzeilen. Unter den Exodus Passagieren befanden sich auch etwa 50 Kinder aus Strüth. Vor der Küste Palästinas kaperten die Engländer das Schiff, transportierten die Holocaust-Überlebenden nach Deutschland zurück und sperrten sie in Internierungslagern ein. Nach der Gründung Israels im Mai 1948 gelang es jedoch allen Strüther Waisenkindern sowie deren Betreuer in den neuen Staat zu übersiedeln.

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