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Unter Hochdruck

Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte

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Drucker-Gangster nennt sie Matthias Egersdörfer – und das ist durchaus respektvoll gemeint. Der fränkische Kabarettist gehört zur Fangemeinde der Hersbrucker Buchdrucker, deren legendärer Kalender nun in 300 Haushalten das neue Jahr begleitet. Aber vielleicht liegt das heißbegehrte Kunstwerk auch wohlverwahrt im Schrank, ist es doch längst zum Sammelobjekt gereift.Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte, die sich seit über 50 Jahren der Schwarzen Kunst verschrieben hat, ist berühmt, auch berüchtigt, weil sich die Gruppe jedweder Etikettierung verweigert. Zum Kollektiv gehören Setzer, Drucker, Grafiker, Illustratoren und bildende Künstler, die nach Gutenbergs Manier bibliophile Bücher, literarische Kalender und Mappen herstellen. Ob von Max Goldt oder Eckart Henscheid, von F.W. Bernstein oder Toni Burghart – die Werke sind stets humorvoll, hintergründig, bisweilen auch hinterfotzig. Die Manufaktur befindet sich im Halbdunkel der Hersbrucker Stadtmauer. Ein stets kühles Domizil, eine lange und enge Schlauchgasse, vollgestellt mit manuellen Druckmaschinen, Handpressen, Setzkästen, dazu reich und witzig dekoriert mit Bildern und Objekten. Wer hierher finden will, braucht ein Navi, denn die Einheimischen scheinen den Druckbetrieb nicht zu kennen. Gründerväter der Werkstätte sind Michael Gölling und Günther Tobisch, die sich Anfang der sechziger Jahren als Lehrlinge in der Hersbrucker Druckerei Pfeiffer kennenlernten und schon früh erkannten, dass ihr Handwerk demnächst von Lichtsatz und Offset überrollt wird. Schon bald sammelten sie auf, was Druckereien loswerden wollten, Maschinen, Druckpressen und viele Schubladen voller Bleilettern – der spätere Grundstock für ihre Firma. Unsere Autorin Kerstin Möller hat die Werkstatt in der Hochdruckphase des Kalenders besucht und die Künstler interviewt. ​