Jahresrückblick – Das war 2025

Liebe Freundinnen und Freunde der Medienwerkstatt,

nach Filmvorführungen noch lange im Foyer stehen, diskutieren, widersprechen, zuhören – 2025 war für uns ein Jahr, in dem genau das besonders oft gelungen ist. Unsere Filme wurden zum Anlass für Gespräche, für Austausch und für gemeinsames Nachdenken. Wir waren viel unterwegs: in Kinos, auf Podien, bei Veranstaltungen und Diskussionen. Dort, wo Menschen zusammenkommen und Fragen verhandelt werden, die unsere Region und Gesellschaft bewegen. Gerade in einer Zeit, in der Debatten schneller verhärten, verstehen wir unsere Arbeit als Einladung, genauer hinzuschauen und miteinander im Gespräch zu bleiben. 

Was uns in diesem Jahr besonders getragen hat: die Erfahrung, dass Lokaljournalismus dann wirksam wird, wenn er nicht beim Senden aufhört. Dieses Jahr war für uns ein Jahr, in dem wir diesen Anspruch konsequent gelebt haben. Was darüber hinaus noch alles bei uns passiert ist: 

Medienwerkstatt back on tour

2025 war auch ein Jahr in Bewegung. Wir waren viel unterwegs – regional, in Deutschland und auch international. Wir sind für Dreharbeiten ins Europaparlament nach Straßburg und nach Polen gereist, haben uns konspirativ mit Protagonist*innen in Frankfurt getroffen und realisierten gleich zwei Filme mit Bezug zu Togo, darunter eine Arbeit über eine Klinikpartnerschaft, die Nürnberg mit dem westafrikanischen Land verbindet. 

Ein besonders spannendes Experiment war ein Film, den wir komplett mit dem Lastenrad als Transportmittel gedreht haben – nicht nur aus pragmatischen, sondern auch aus ökologischen Gründen. Solche Reisen und Experimente erweitern unsere Perspektiven und zeigen einmal mehr, wie eng lokale Geschichten mit globalen Zusammenhängen verknüpft sind. Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeiten, die nur durch Drittmittel so umsetzbar waren und bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei unseren Unterstützer*innen! 

Auszeichnungen und Anerkennung

Unsere Arbeit fand auch über Nürnberg hinaus Beachtung. Gleich dreimal waren wir für den Alternativen Medienpreis nominiert. In der Kategorie Zukunft wurde schließlich Annette Link für „Willkommen in Nuetopiaausgezeichnet – ein Film, der neue stadtplanerische Entwürfe für Nürnberg ernst nimmt und zur Diskussion stellt. Den BLM-Spezialpreis erhielt Christopher Dillig für „IDYLLEREI, eine feinfühlige Beobachtung eines Kunstraums für Kreative mit Handicap. Über diese Wertschätzungen unserer Arbeit freuen wir uns sehr! 

Kreative Kollaborationen

Die Zusammenarbeit mit renommierten Filmemacher*innen aus ganz Deutschland hat unser Programm in diesem Jahr besonders bereichert. Hannah Wolny, Master-Studentin an der Filmuniversität Babelsberg, sowie Jochen Hasmanis und Horst Herz, die auf zahlreiche Filmförderungen, Festivalteilnahmen sowie Auftragsproduktionen für den ÖR zurückblicken, haben für uns Geschichten umgesetzt, die aufrütteln, berühren und neue Perspektiven eröffnen. Solche Kooperationen halten uns kritisch, vielfältig und lebendig und sind ein Herzstück unserer Arbeit. 

Chronistin der Stadt – unser Archiv als Zukunftsprojekt

Seit über vier Jahrzehnten sammelt sich in der Medienwerkstatt ein einzigartiger filmischer Schatz. In diesem Jahr haben wir einen entscheidenden Schritt unternommen, um diesen langfristig zu sichern: Gemeinsam mit dem Stadtarchiv Nürnberg arbeiten wir an einem Pilotprojekt zur systematischen Archivierung unserer mehr als 700 Dokumentarfilme.

Geplant ist eine Datenbank, in der unsere Inhalte nicht nur abrufbar, sondern auch transkribiert und verschlagwortet vorliegen – nutzbar für Forschung, Journalismus und Öffentlichkeit. Das mehrjährige Projekt versteht sich zugleich als zukunftsweisendes Modell, das perspektivisch auch für andere audiovisuelle Archive geöffnet werden kann, da die Archivierung solcher Inhalte auf lokaljournalistischer Ebene noch kaum praktiziert wird.

Medienpädagogik & Nachwuchsarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt war unsere medienpädagogische Arbeit. 2025 haben uns zahlreiche Gruppen besucht und hinter die Kulissen einer Filmproduktion geblickt: Studierende der SAE, Kinder der Ferienbetreuung der Technischen Hochschule Ohm, Schulklassen und Gruppen aus dem Berufsinformationszentrum. In Zeiten von Desinformation, politischer Polarisierung und wachsendem Misstrauen gegenüber Medien ist diese Arbeit für uns wichtiger denn je.

Digitale Welt

Auch unser Social-Media-Angebot haben wir weiter ausgebaut: Interviews mit Filmemacher*innen, Bonus-Material, spannende Hintergrundeinblicke, Filmtipps aus dem Archiv und auch der Spaß durfte in Form einiger Quatsch-Reels nicht zu kurz kommen es lohnt sich auf jeden Fall, uns auf Instagram zu folgen. Besonders wichtig war für uns dabei die Anerkennung, dass Sendeminuten inzwischen auch für Social Media gelten. Das bedeutet Wertschätzung für journalistische Arbeit auf neuen Kanälen und eröffnet kreative Spielräume.

Verantwortung übernehmen 

Ein weiterer wichtiger Schritt war unser Beitritt zum Nachhaltigkeitspakt Medien. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur Klimaschutz, sondern auch publizistische Verantwortung, Glaubwürdigkeit und Qualität. Werte, denen wir seit Gründung der Medienwerkstatt gerecht werden wollen. Als gemeinnützige Fernsehproduktion mit monatlich zwei neuen halbstündigen Sendungen sehen wir es als unsere Aufgabe, diese Haltung nicht nur nach außen zu vertreten, sondern auch in unseren internen Strukturen und Arbeitsprozessen weiterzuentwickeln und in Strategien festzuhalten. Wie wir dabei konkret vorgehen, könnt ihr hier nachlesen. 

Unsere Themen 2025

Inhaltlich spannten unsere Filme auch in diesem Jahr einen weiten Bogen. Wir produzierten tiefgründige Porträts, etwa über Lilo Seibel-Emmerling, Dietmar Hasse oder Marek Mintál. Mit der fortgeführten Reihe „Nachgefragt griffen wir aktuelle Debatten auf – von der Situation unbegleiteter geflüchteter Kinder bis hin zu Perspektiven für das Nürnberger Kolosseum.

Ein weiterer Fokus lag auf Bildung und Inklusion, etwa in der Reportage Was kommt nach der Schule?, die Jugendliche mit sogenannter geistiger Behinderung beim Übergang ins Erwachsenenleben begleitet. Themen wie Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit zogen sich durch mehrere Produktionen – von der Schwammstadt Nürnberg über die Nutzung des Lastenrads als Alternative zum Auto im Berufsalltag bis hin zur Auseinandersetzung mit der Kriminalisierung von Klimaprotest.

Historische Stoffe wie die Beiträge über den Stadtteil Loher Moos oder Meine Mutter: Heimatlos machten deutlich, wie sehr Vergangenheit unsere Gegenwart prägt. Regionale Kulturgeschichten – etwa über die Nürnberger Rockband Ihre Kinder, die Kunstvilla oder der Abschied von der Nürnberger Kerzenwerkstatt – standen ebenso auf dem Programm wie internationale Perspektiven aus Togo. Und nicht zuletzt widmeten wir uns sozialen Kämpfen der Gegenwart, etwa der Wohnungsnot („Kampf um Quadratmeter“), Fragen solidarischen Handelns oder dem Budapest-Komplex in Free Hanna.

Danke!

Ein großes Dankeschön gilt unseren Praktikant*innen Josef, Clara, Annalena, Shuhan, Malu und Johanna, die uns mit Neugier, Engagement und frischen Perspektiven begleitet haben. Ebenso danken wir allen Filmemacher*innen, Kooperationspartner*innen und natürlich unserem Publikum.

2025 hat uns gezeigt: Journalismus lebt vom Austausch.
Und wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam mit euch im neuen Jahr weiterzugehen.

Herzliche Grüße,
Eure Medienwerkstatt Franken