Dornröschen kann schwimmen

Das Wunder vom Volksbad

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Es war einmal eine Jugendstilperle… und in ihren besten Zeiten besuchten jährlich mehr als eine Million Badegäste das Volksbad am Plärrer. In den 90er-Jahren kam dann das stufenweise Aus. Die immensen Energiekosten führten erst zur Stilllegung der Schwimmhallen, wenig später wurde das ganze Haus geschlossen.

Nur vereinzelte Zwischennutzungen unterbrachen den 25-jährigen Dornröschenschlaf. Das stolze Bad wurde zur Kulisse – Filmemacher, Fotografen und Künstler nutzten die leeren Becken und Brausen für Shootings und Performances. Das Fundbüro zog vorübergehend ein und wurde vom „Hemdendienst“ beerbt. Gelegentliche Schaumparties, ein paar Lesungen in der ehemaligen Sauna – Dornröschen verschlief dies alles. Selbst das Angebot, die Perle für einen Euro zu verschachern, rief keinen Investor auf den Plan und auch der Scheich, der mit seinem märchenhaften Reichtum ein arabisches Museum in die Hallen zaubern sollte, erwies sich als Fata Morgana.

Als alles schon vergessen geglaubt war, erschienen die märchenhaften Prinzen: Zuschussangebote, die man nicht ablehnen sollte, das Fehlen eines Hallenbades im Westen – und vielleicht auch ein wenig Wahlkampf brachten die Wende: Die schlafende Prinzessin wird wach geküsst, das Volksbad wieder zum Badehaus.

Für die Medienwerkstatt haben unsere Autoren Robert H. Schumann und Günther Wittmann das Volksbad besucht. Kurz vor Beginn der Umbauarbeiten trafen sie den zuständigen Denkmalschützer und den Projektleiter – schön soll es werden, pünktlich fertig und keinen Euro teurer als jetzt veranschlagt – kein Märchen!