Von Schlagrahmdampfern und anderen verlorenen Dingen

Spurensuche am Alten Kanal

2189 Views

Nicht jeder, der heute auf der A73 zwischen Nürnberg und Bamberg fährt, weiß, dass er auf einer ehemaligen Wasserstraße unterwegs ist. Noch vor einem halben Jahrhundert verlief hier der alte Ludwig-Donau-Main-Kanal, kurz: Ludwigskanal, der das letzte Puzzlestück einer schiffbaren Verbindung zwischen den Weltmeeren stellte.

In sagenhaften zehn Jahren Bauzeit realisiert, war der 1846 eröffnete Kanal ein kleiner Menschheitstraum, verband er doch letztlich Nordsee und Schwarzes Meer miteinander. Leider trug sich die Idee finanziell nicht: Zu mächtig war die Eisenbahn, die zeitgleich ihren Aufstieg erlebte und dem ehrgeizigen Kanalprojekt schon bald im besten Sinne das Wasser abgrub als das in jeder Hinsicht schnellere, bequemere und bessere Transportmittel der Stunde.

Nachdem der Kanal bei Nürnberg im 2. Weltkrieg durch alliierte Bomben zerstört und ausgelaufen war und in den Nachkriegsjahren vor sich hin dümpelte, verabschiedete man sich Ende der 1960er Jahre von ihm und betonierte ihm zwischen Nürnberg und Bamberg eine Autobahn ins Bett: den „Frankenschnellweg“. Dass er zumindest auf Höhe der Rampen in Nürnberg längst ein „Frankenstehweg“ ist, ist ein Ärgernis, das die Menschen bis heute beschäftigt und entzweit. Kein Bürgermeister und kein Stadtrat hat in all den Jahren und Jahrzehnten etwas an diesem Nadelöhr, an dieser verkehrstechnischen Vorhölle bewegt oder gerichtet …

Für die Medienwerkstatt haben sich Robert LohnerStefan Gnad und Andreas Holzmüller mit der Kamera auf Spurensuche entlang der A73 begeben. Allzuviel erinnert heute nicht mehr an den Alten Kanal, der einst hier entlang lief und zu dem es manch nette Geschichte zu erzählen gibt, wie etwa die von den beliebten „Schlagrahmdampfern“ – frühe Partyboote, die in den 20er und 30er Jahren sonntags zahlreiche Ausflügler zwischen der Anlegestelle in Nürnberg-Doos und dem Fürther Vorort Kronach hin und her und brachten…

Mit Texten von Klaus Schamberger.