In unserem letzten Blogpost zu barrierefreier Sprache haben wir kostenfreie KI-Tools vorgestellt, die theoretisch in Einfacher Sprache schreiben können. Die Qualität dieser Texte werden wir in den nächsten Monaten anhand unserer Sendungsankündigungen testen und die Ergebnisse miteinander vergleichen. Den Anfang machen wir heute mit dem wohl bekanntesten und am meisten diskutierten KI-Tool unserer Zeit: Chat-GPT.
Eingangs haben wir den Chatbot erst einmal darum gebeten, uns die Regeln der Einfachen Sprache zu nennen.
Prompt: „Nenne die Regeln der Einfachen Sprache“
Chat-GPT:
Für die Erstellung von einfachen Sätzen und die Verwendung einfacher Sprache berücksichtige ich folgende Regeln:
- Verwende kurze Sätze.
- Benutze einfache Wörter.
- Vermeide Fachjargon und komplizierte Ausdrücke.
- Halte dich an eine klare Struktur: Einleitung, Hauptteil, Schluss.
- Verwende aktive statt passive Sprachkonstruktionen, wenn möglich.
- Erkläre Fachbegriffe, wenn sie unvermeidbar sind.
- Verwende viele Beispiele, um Konzepte zu verdeutlichen.
- Vermeide Doppeldeutigkeiten und mehrdeutige Wörter.
- Vermeide lange, verschachtelte Sätze.
- Überprüfe die Verständlichkeit, indem du den Text für eine Person schreibst, die wenig Vorwissen zum Thema hat.
Größtenteils scheint Chat-GPT sachkundig zu sein – die Punkte decken sich mit den Empfehlungen verschiedener Verbände. Einzig bei Punkt 4 würden wir ergänzen, dass gerade sehr komplizierte Texte komplett neu aufgebaut werden müssen. Was ist die Hauptbotschaft? Was ist die Intention? Das muss herausgearbeitet werden – da reicht es nicht, wenn die KI die Struktur des Ursprungstextes 1:1 übernimmt.
Der Chatbot im Test
Für unseren Test haben wir uns für einen Pressetext entschieden, der zwar nicht sehr lang ist, dafür aber recht verschachtelt und poetisch und er beinhaltet Fremdwörter und historische Bezüge:
Chat-GPT: Bereits 1954, als die Wohnhäuser darüber noch in Trümmern lagen, haben junge jazzbegeisterte Menschen in einem historischen Kellergewölbe unter dem Paniersplatz einen Ort geschaffen, der nach der musikalischen Gleichschaltung durch das Naziregime ein Tor zur neuen freiheitlichen Musikwelt aufstieß. Damit begann eine heute 70-jährige Erfolgsgeschichte. Schon vor 10 Jahren, zum 60. Jubiläum, ist die MEDIENWERKSTATT damals in den Jazz-Club hinabgestiegen und hat einen Film über Geschichte und Bedeutung dieser Institution realisiert. Jetzt aus Anlass des 70. Geburtstages sind wir noch einmal unseren Spuren von damals gefolgt und haben nachgefragt, wie es heute um das Jazz Studio Nürnberg steht.
Prompt #1: Bitte in Einfache Sprache umwandeln
Chat-GPT: Im Jahr 1954 haben junge Leute, die Jazz mögen, einen Ort gemacht. Die Häuser oben waren noch kaputt. Dieser Ort war in einem alten Keller unter dem Paniersplatz. Früher mussten alle dieselbe Musik hören. Das hatten die Nazis bestimmt. Aber jetzt konnten die Leute neue, freie Musik hören. So fing die 70-jährige Geschichte an.
Vor 10 Jahren, zum 60. Geburtstag, hat die Medienwerkstatt einen Film über das Jazz Studio gemacht. Der Film zeigte die Geschichte und warum der Ort wichtig ist.
Jetzt, zum 70. Geburtstag, sind wir wieder da. Wir wollten wissen, wie es dem Jazz Studio Nürnberg heute geht.
Starten wir mit dem Satzbau. Der Eingangssatz wurde von Chat-GPT zwar stark verkürzt, jedoch sollten Nebensätze vermieden werden. Auch bei der mittleren Passage arbeitet die KI mit einem Nebensatz. Vor allem inhaltlich scheitert der Chatbot am anspruchsvollen Ausgangstext. Viele relevante Informationen fehlen: Beispielsweise, dass das Jazz Studio in Nürnberg ist, dass die Medienwerkstatt einen neuen Film zum Thema produziert und nicht nur dort vorbeigeschaut hat und vor allem: die geschichtlichen Hintergrundinformationen zum Krieg und zur Zeit des Nationalsozialismus.
Prompt #2: Schreibe diesen Text in Einfacher Sprache. Verwende dabei nur kurze Wörter, keine Nebensätze, aktive Sprache und keine Fachausdrücke.
Chat-GPT: Im Jahr 1954 haben junge Leute einen besonderen Ort gemacht. Sie mochten Jazz. Die Häuser oben waren noch kaputt. Der Ort war in einem alten Keller unter dem Paniersplatz. Früher mussten alle die gleiche Musik hören. Die Nazis haben das bestimmt. Jetzt konnten die Leute neue Musik hören. So begann die 70-jährige Geschichte.
Vor 10 Jahren hat die Medienwerkstatt einen Film gemacht. Der Film war zum 60. Geburtstag. Er zeigte die Geschichte vom Jazz Studio. Er zeigte auch, warum der Ort wichtig ist.
Jetzt, zum 70. Geburtstag, sind wir wieder dort. Wir wollen wissen, wie es dem Jazz Studio Nürnberg heute geht.
Mit diesem Prompt hat sich der Satzbau und die allgemeine Verständlichkeit verbessert. Nun müssen wir noch ein wenig am Inhalt tüfteln:
Prompt #3: Schreibe diesen Text in Einfacher Sprache. Verwende dabei nur kurze Wörter, keine Nebensätze, aktive Sprache und keine Fachausdrücke. Erkläre den historischen Kontext und das Wort Jazz.
Chat-GPT: Im Jahr 1954 haben junge Leute einen besonderen Ort gemacht. Sie mochten Jazz. Jazz ist eine Art Musik. Die Häuser oben waren noch kaputt. Es war nach dem Krieg. Die Nazis hatten den Krieg gemacht. Sie haben bestimmt, welche Musik die Leute hören mussten. Alle mussten dieselbe Musik hören.
Der Ort war in einem alten Keller unter dem Paniersplatz. Hier konnten die Leute neue Musik hören. Das war der Anfang einer langen Geschichte.
Vor 10 Jahren, zum 60. Geburtstag, hat die Medienwerkstatt einen Film gemacht. Der Film zeigte die Geschichte vom Jazz Studio. Er zeigte auch, warum der Ort wichtig ist.
Jetzt, zum 70. Geburtstag, sind wir wieder dort. Wir wollen wissen, wie es dem Jazz Studio Nürnberg heute geht.
Inhaltlich nähert es sich der Aussagen der Sendungsankündigung an, wobei der Text natürlich vor einer Veröffentlichung noch kritisch geprüft werden müsste. Die Krux bei der Arbeit mit Chat-GPT scheint zu sein, dass die KI das richtige Maß zwischen Kürzung und inhaltlichen, zielgruppenbasierten Ergänzungen nicht findet. Versuchen wir es also mit einer konkreten Zielgruppenbeschreibung:
Prompt #4: Schreibe diesen Text in einfacher Sprache. Verwende dabei nur kurze Wörter, keine Nebensätze, aktive Sprache und keine Fachausdrücke. Erkläre den historischen Kontext und das Wort Jazz. Schreibe so, dass es ein 8-jähriges Kind versteht.
Chat-GPT: Im Jahr 1954 haben junge Leute einen besonderen Ort gemacht. Sie liebten Jazz. Jazz ist fröhliche Musik mit viel Rhythmus. Die Häuser oben waren noch kaputt. Es gab einen großen Krieg. Die Nazis haben den Krieg gemacht. Sie sagten den Leuten, welche Musik sie hören mussten. Alle mussten dieselbe Musik hören.
Der besondere Ort war in einem alten Keller unter dem Paniersplatz. Hier konnten die Leute neue Musik hören. So begann die Geschichte vom Jazz Studio.
Vor 10 Jahren, zum 60. Geburtstag, hat die Medienwerkstatt einen Film gemacht. Der Film zeigte die Geschichte vom Jazz Studio. Er zeigte auch, warum das Jazz Studio wichtig ist.
Jetzt, zum 70. Geburtstag, sind wir wieder da. Wir wollen wissen, wie es dem Jazz Studio Nürnberg heute geht.
Eine wirklich ausschlaggebende Änderung spuckt der Chatbot nicht mehr aus. Hierzu bräuchte es menschliche Intelligenz. Denn beispielsweise der Satz “Alle mussten dieselbe Musik hören” ist so nicht ganz richtig und klammert die politische Motivation der Nationalsozialisten aus. Nach wie vor fehlt auch die relevante Information, dass es einen neuen Jubiläums-Film der Medienwerkstatt gibt. Die KI orientiert sich hierbei stark am Ausgangstext, bei dem sich diese Information zwischen den Zeilen herauslesen lässt. Nach Empfehlungen der Einfachen Sprache sollten die relevantesten Informationen jedoch direkt zu Beginn stehen und klar und deutlich kommuniziert werden.
Unser Fazit
Chat-GPT kennt grundsätzlich das Regelwerk der Einfachen und Leichten Sprache. Gerade die Verkürzung von Sätzen klappt oft zufriedenstellend. Bei der inhaltlichen Umsetzung hapert es jedoch noch, gerade wenn nuancierte Botschaften überbracht werden sollen oder ein gewisses Allgemeinwissen vorhanden sein muss, um die Ursprungstexte zu verstehen.
Die Ergebnisse sind mit angepassten und gut durchdachten Prompts brauchbar, sofern man diese im Nachgang noch einmal sorgfältig überarbeitet. Die KI leistet gute Anregungen und Hilfestellungen, doch gerade bei längeren Texten kann die Überarbeitung eine zeitintensive Aufgabe sein…
Im nächsten Blogpost zu barrierefreier Sprache geht unsere KI-Journey weiter und wir testen den noch relativ unbekannten Google-Chatbot Gemini. Bleibt dran!