Lange wurde in Nürnberg darum gerungen, was mit der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände passieren soll. Mit diesem gigantischen Torso, erdacht für die Huldigung eines Massenmörders. Römisch anmutende, aber hohle Kulisse für 60.000 NSDAP-Parteimitglieder. Nie fertiggestellt. Verfallen lassen? Umbauen? Bis in die 1980er Jahre hinein, ist der Umgang mit dem Unding eher ein pragmatischer. 118.000 qm Brachland konnte und wollte die Stadt nicht hinnehmen. 1963 ziehen die Nürnberger Symphoniker in den südlichen Kopfbau. Andere Nutzungen, etwa als „Ausstellungsrundbau“ oder als Lagerhalle für den Versandhandel Quelle, sind heute noch als Relikte sichtbar. Erst in den 1980er Jahren wird Schritt für Schritt erkannt: Die überdimensionale Ruine ist auch ein starkes Sinnbild für das Scheitern des menschenverachtenden Nationalsozialismus – und ein Tourismus-Magnet.
Seit 2001 klärt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im nördlichen Kopfbau der Kongresshalle über die nationalsozialistische Vergangenheit des Geländes auf. Was mit dem restlichen Gebäude passieren soll, ist damit aber immer noch nicht geklärt. Erst 2015 markiert ein Stadtratsbeschluss den entscheidenden Richtungswechsel: weg vom passiven Erhalten, hin zum aktiven Erschließen des historischen Orts. Seit 2021 ist nun auch klar wie: in Form eines neuen Kultur- und Kunstareals. Eine gute Idee?
Immer wieder hat sich die Medienwerkstatt Franken filmisch mit dieser Frage beschäftigt. Zuletzt 2017 mit einem Porträt über die mehr als 60 Mieter, die das Areal hinter dicken Wänden schon längst belebt hatten. Was bedeuten die aktuellen Baumaßnahmen für die Menschen, die das Areal bisher genutzt haben? Was muss passieren, damit die freie Szene hier arbeiten kann? Und wie weit sind die Bauarbeiten? In Gesprächen mit städtischen Vertretern, der freien Fotokünstlerin Ulrike Manestar und Franz Köhler, Vorstand des „Kanu Verein Nürnberg“, einem der letzten kleinen Mieter in der Kongresshalle, gehen wir diesen Fragen nach. Mit Ausschnitten aus den Filmen „Des Führers Dom“ (2017), „Frei(Räume) auf Zeit“ (2020), „Erhalten! Wozu?“ (2015), „Die Speer-Legende“ (2017) sowie weiteren Archivaufnahmen vom Reichsparteitagsgelände.
Wir zeigen den Film „Nachgefragt: Vom Unding zum Kulturort? – Perspektiven für das Kolosseum“ von Annette Link am Sonntag, 24. August, um 21 Uhr auf Franken Plus (Satellit) sowie um 19, 21 und 23 Uhr auf Franken Fernsehen (Kabel). Wiederholung am 31. August zu den gleichen Sendezeiten.
