Seit über 40 Jahren machen wir Filme, mit denen wir etwas bewegen und verändern wollen. Zum Beispiel Barrieren für Menschen mit Behinderungen einreißen. Allerdings: Nur selten haben wir es dabei selbst geschafft, unsere Inhalte inklusiver zu gestalten. Es fehlte die Zeit und das Geld. Wird uns Künstliche Intelligenz helfen, diese Hürden zu nehmen? Genau diesen Fragen wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten nachgehen und unsere Ergebnisse mit euch teilen. Damit auch ihr eure Inhalte zukünftig barrierefreier gestalten könnt. Wenn alles klappt, vielleicht sogar auf Knopfdruck mit Hilfe einer KI…

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Im ersten Schritt müssen wir uns natürlich erst einmal einen Überblick verschaffen, was Barrierefreiheit überhaupt bedeutet. Wo sie ansetzt und was bisherige Tools schon können. Wie gut sind die automatisch generierten Subtitles von Instagram, Youtube & Co. schon? Welche verstehen „Fränggisch” besser? Sind wir zufrieden damit oder stört es uns, dass die Big Player mit unseren Daten dann noch mehr Geld verdienen? Welche Lösungen für Menschen mit anderen Beeinträchtigungen gibt es und helfen sie uns wirklich weiter?

Dankenswerterweise unterstützt uns die Bayerische Landesmedienzentrale für neue Medien (BLM) bei unseren Recherchen und Tests, so dass wir uns viele verschiedene Lösungen und Tools genau anschauen können. Es wird eine Reise in die Welt der KI werden, ohne Scheuklappen und ohne fixe Ziele. Also ganz agil, so wie man das aus dem Software-Entwicklungsumfeld eben kennt. Was wir aber jetzt schon wissen, wir wollen alle unsere Ergebnisse mit euch teilen. Alle zwei Wochen werden wir hier auf dem Blog und in den Sozialen Medien mit Bewegtbild posten, was wir Neues herausgefunden haben. Folgende Ansätze schauen wir uns als erstes an:


Audiodeskription für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen

Die meisten unserer Dokumentarfilme und Reportagen arbeiten mit O-Tönen und Kommentartexten, um die wichtigsten Informationen zu transportieren. Jedoch gibt es immer wieder Passagen, die sehr bildstark sind – und die auf einer Metaebene Botschaften transportieren, die Menschen mit Seheinschränkungen bisher verborgen blieben. Hier ein Beispiel.

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An Stellen wie diesen möchten wir mit Hilfe intelligenter Tools zukünftig so genannte Audiodeskriptionen ergänzen, die wir, wenn technisch realisierbar, bei unseren Sendungen auf einem zusätzlichen, ergänzenden Audiokanal ausstrahlen. Er sollte zu- und abschaltbar sein. Das gleiche gilt für unsere Online-Mediathek. Eine gute Audiodeskription ist aufwändig. Sie erfordert geeignete Sprachmittel, sowie eine Fokussierung auf die wichtigen Elemente in den bildstarken Passagen. Es wird sehr spannend, ob wir KI-Tools finden, die das können. Gerne trainieren wir auch selbst ein Modell, wer weiß…


Untertitel für Gehörlose

Untertitel sind in den Sozialen Medien mittlerweile ja eher Standard als Ausnahme. Wer Bewegtbild-Content mobil schaut, schaut dies meist stumm. Denn schließlich will man seine Nachbar*innen im Zug, im Café oder im Wartezimmer nicht belästigen. Wir scrollen also durch stumm geschaltete Videos. Deshalb gibt es für die Generierung von Untertiteln schon viele Standardlösungen. Gut für die Barrierefreiheit! Ob diese Standardtools unseren Qualitätsansprüchen genügen, etwa wenn unsere Interviewpartner*innen Dialekt sprechen, das gilt es zu testen.

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Barrierefreie Sprache für Menschen mit Leseschwierigkeiten und kognitiven Einschränkungen

Sprache ist das zentrale Werkzeug von Medienschaffenden zur Übermittlung komplexer Themen. Doch ausschweifende Formulierungen, Fachausdrücke oder ewig lange Sätze können Menschen davon ausschließen, an unseren Inhalten teilzuhaben, sich zu informieren und mitzureden. Zum Beispiel weil Deutsch nicht die Muttersprache ist, sie kognitive Einschränkungen oder Leseschwierigkeiten haben. Und auch wir in der Medienwerkstatt spielen gerne mit Sprache und experimentieren in unseren Texten mit Formulierungen, die vielleicht poetisch und kreativ, aber nicht gerade barrierefrei sind. Das wollen wir ändern und unsere Sendungsankündigungen zusätzlich auch in inklusiver Form veröffentlichen. 

Konzepte dafür gibt es glücklicherweise schon: Einfache und Leichte Sprache! Doch was sind die Unterschiede zwischen den beiden Konzepten, die oft als Synonym verwendet werden? Welche KI-Lösungen gibt es für unser Ziel und wie schneiden diese im direkten Vergleich miteinander ab? Und werden die Tools unseren Ansprüchen gerecht, indem sie die Kernaussagen unserer Inhalte auch wirklich unverfälscht wiedergeben? 


Soweit der Plan. Wenn uns Zeit bleibt, schauen wir uns zudem noch an, ob sich mit Avataren Lösungen für kostengünstige Übersetzungen in Gebärdensprache realisieren lassen. Und vielleicht entdecken wir auf unserer KI-Journey noch ganz andere Ansätze. Wir sind selbst gespannt. Ihr hoffentlich auch.