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Gesichter des Diskurses

Die geplante Unterkunft für Asylsuchende im Zirndorfer Stadtkern

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Im Sommer 2023 löste die geplante Flüchtlingsunterkunft im Zirndorfer Stadtkern Proteste aus – unterstützt von der AfD, die mit ihrer Rhetorik Ängste schürte. Bei einer Informationsveranstaltung äußerten Bürger*innen Befürchtungen, die kaum mit den realen Sicherheitsrisiken in Einklang standen – der Fürther Landkreis ist trotz des seit langem bestehenden Ankerzentrums seit Jahren der sicherste in Mittelfranken. Der Film der Medienwerkstatt Franken untersucht, warum solche Widerstände entstehen und welche Rolle soziale Ängste spielen. Die steigenden Umfragewerte rechter Parteien zeigen: Es ist an der Zeit, genauer hinzuschauen und zu verstehen, wie gesellschaftliche Spaltung entsteht.

Im Sommer 2023 wurde bekannt, dass in einer ehemaligen Spielwarenfabrik im Zirndorfer Stadtkern eine Unterkunft für geflüchtete Menschen entstehen soll. Der Stadtrat hatte der vom Landratsamt beschlossenen Nutzungsänderung des Gebäudes zugestimmt – anstelle von Wohnungen für alle sollen hier nun Wohnungen für geflüchtete Menschen eingerichtet werden. „Und dann ging der Protest los“, sagt Iris von der Bürgerinitiative „Zirndorf zuerst“, die sich im selben Sommer gründete. Sie schlug vor, die Unterkunft lieber in einem Containerdorf am Stadtrand zu errichten. Die Initiative stellte Fragen in der Bürgerfragestunde, sammelte Unterschriften und organisierte eine Demonstration. So wurde Christoph auf die Bewegung aufmerksam: „Was dann aber auf dieser Demo passiert ist, hat mich so schockiert, dass ich gesagt habe: Okay, das kann so unwidersprochen nicht bleiben.”

Kurze Zeit später wurde er Mitgründer des „Bündnisses für Vielfalt“ – einer Gegenbewegung der Gegenbewegung. Christoph organisiert seit fast sieben Jahren eine interkulturelle Fußballgruppe im Zirndorfer Ankerzentrum. So lernte er Aziz kennen, einen jungen Mann aus Syrien, der vor gut anderthalb Jahren nach Deutschland geflüchtet ist. Seit einigen Wochen macht Aziz eine Ausbildung im Hotel Knorz, das Christoph leitet. Die Medienwerkstatt Franken zeigt in ihrem Film, wie unterschiedlich Migration und Integration erlebt werden und fragt nach den Hintergründen, die Menschen zu ihren Ansichten führen. Es geht unter anderem um die Frage, was passiert ist, bis Iris sich der Gruppe „Zirndorf zuerst“ anschloss und ein Banner mit der Aufschrift „Kein Migrantenheim hier gegenüber“ am Dach ihres kleinen Fachwerkhäuschens befestigte. Es geht um Aziz’ Ziele in Deutschland, seine Sehnsucht nach seiner Familie und Christophs Engagement. Darüber hinaus erläutert die Soziologin Dr. Claudia Globisch die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe solcher Konflikte. Sie regt dazu an, eigene Antworten auf schwierige Fragen zu finden: Wie entsteht ein solcher Widerstand? Welche Ängste werden geschürt? Auf welchem Nährboden kann dieser gedeihen? Und welche Chancen ergeben sich durch Integration und Vielfalt?

Jahr

2024

Datum

29.12.2024

Autor/in