Kategorie: Sendungen
26.02.2015

Die Hälfte des Himmels

Die Nürnberger Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre


Autorin: Vanessa Hartmann

Sendedatum: Sonntag, 9. November, 19, 21 und 23 Uhr auf Franken Fernsehen
Wiederholung: Sonntag, 23. November, 19, 21 und 23 Uhr auf Franken Fernsehen und am Weltfrauentag, 8. März 2015, 19, 21 und 23 Uhr



Das Foto zeigt eine der zahlreichen Aktionen der Nürnberger Frauenbewegung anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. Mitinitiatorinnen waren Annemarie Rufer und Conny Schmidt, die beide im Film zu Wort kommen.

Die zweite Welle der Frauenbewegung, die im Zuge der 68er-Bewegung erstarkte und bis in die 80er Jahre aktiv war, bewirkte umfassende gesellschaftliche Veränderungen: Frauen erkämpften nicht nur eine Änderung des Paragraphen 218, der Abtreibung generell unter Strafe stellte, sondern machten in der Folge die Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Thema.

Frauen durften zum Beispiel endlich ohne Zustimmung des Ehemanns arbeiten; Gewalt gegen Frauen wurde enttabuisiert und Vergewaltigung in der Ehe strafbar; das Namensrecht wurde geändert, gleiche Arbeit musste fortan mit gleichem Lohn bezahlt werden, das Recht auf Teilzeitarbeit wurde festgeschrieben, Gleichstellungsstellen eingerichtet und und und…

Auch in Nürnberg war die Frauenbewegung aktiv, machte mit vielen Aktionen auf die Unterdrückung und Ausgrenzung von Frauen aufmerksam und gründete Einrichtungen und Projekte, die bis heute wirken. Der Verein Pro Familia, das Frauenhaus, der Frauennotruf, das Frauengesundheitszentrum und viele mehr haben ihren Ursprung in der Frauenbewegung.

Ab Anfang der 80er Jahre erwirkten die Frauen vom „Nürnberger Frauenbündnis“, dass auch im Stadtrat Frauenthemen berücksichtigt wurden und ihren Eingang in die Stadtpolitik fanden. Die Nürnberger Frauenbeauftragte wurde Mitte der 80er Jahre installiert, der Frauenförderpreis wird seit 1990 verliehen und für einige Jahre gab es im Stadtrat eine Gleichstellungskommission, in der beispielsweise das Thema frauenfreundliche Stadtplanung aufs Tapet kam.

Stellvertretend für viele Frauen, die unermüdlich gegen Benachteiligung und Unterdrückung und für gleiche Chancen für alle Menschen gekämpft haben, hat die MEDIENWERKSTATT mit vier Protagonistinnen der Frauenbewegung gesprochen.

 
Bild links: Erst in Frankfurt beim berüchtigten „Weiberrat“ aktiv, dann umtriebig in Nürnberg: Annemarie Rufer, die die „Pro Familia“-Beratungsstelle in Nürnberg mitinitiiert hat (und heute Pro Familia-Landesvorsitzende in Bayern ist) und mit einem Frauentag auf Schloss Almoshof die Vorlage für das „Nürnberger Frauenbündnis“ geliefert hat. Ein Bündnis, das Frauenthemen geradewegs in die Stadtpolitik trug und z.B. mehr Betreuungsplätze oder ein Frauennachttaxi forderte. 2008 wurde Annemarie Rufer für ihr Engagement in Sachen Gleichberechtigung mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Bild Rechts: Conny Schmidt war linke Feministin und versuchte, die männlichen Strukturen in ihrer Gewerkschaft ÖTV aufzubrechen – nicht ohne heftigen Gegenwind. Doch mit nicht zu übersehenden Aktionen zu feministischen Themen wie z.B. der Verleihung eines „lila Schweineschwanzes“ für besonders chauvinistisches Gebaren, verschaffte sie sich und der Sache der Frauen Gehör. Als Mitfrau des Nürnberger Frauenbündnisses war sie beteiligt an der Schaffung einer Gleichstellungskomission, die Ende der 80er Jahre für einige Jahre auf Druck der Frauen im Stadtrat installiert wurde – und die die autonomen Frauen schließlich „sprengten“, weil sie nicht länger nur beratende Mitglieder sein, sondern ein Stimmrecht in diesem Gremium ausüben wollten.


Auf Friedensdemos, 218-Demos – Brigitte Schliermann war überall im Einsatz. Ihr großes Thema aber war die Gewalt gegen Frauen. Gemeinsam mit Mitstreiterinnen gründete sie den Nürnberger Notruf für vergewaltigte Frauen und deckte auf, was bis dahin alltäglicher Wahnsinn in der deutschen Justiz war: Die fast schon systematische Benachteiligung vergewaltigter Frauen vor Gericht, die oft als Schuldige aus dem Verfahren schieden, die die Vergewaltigung selbst provoziert hätten – während die Täter von überwiegend männlichen Richtern und Staatsanwälten freigesprochen wurden. Als der Vergewaltigungsparagraph 177 in den 90er Jahren reformiert wurde, feilte sie mit an den Formulierungen des neuen Gesetzestexts. 

 
Ihr Thema war die Sichtbarkeit von Frauen in all ihren Facetten, ob bei ihrer Arbeit im Künstlerinnenarchiv, das erstmalig die Arbeiten von Künstlerinnen in den Focus der Öffentlichkeit rückte, oder bei ihren vielen Aktionen im Kreise lesbischer Freundinnen. Brigitte Wesp (links im Bild) wollte zeigen, dass Frausein weitaus spannender sein kann, als Kinder großziehen und den Haushalt wuppen – mit Akribie und Liebe zum Detail gestaltete sie kulturelle Veranstaltungen zu Frauenthemen. Anlaufstelle hierfür war das von ihr mit betriebene und einst legendären Café Wandeltreppe, ein Café nur für Frauen, das über dem Frauenbuchladen beheimatet war.

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