Kategorie: Sendungen
14.04.2019

Als hätte es sie nie gegeben

NS-"Euthanasie" in Neuendettelsau und Ansbach

Autorin: Vanessa Hartmann

Sendedatum: Sonntag, 7. April um 19, 21 und 23 Uhr im Franken Fernsehen

Wiederholung: Sonntag, 21. April um 19, 21 und 23 Uhr im Franken Fernsehen

Livestream: www.frankenfernsehen.tv



Im Frühjahr 1941 werden Bewohnerinnen und Bewohner aus Bruckberg, einem Neuendettelsauer Wohnheim, abgeholt.

Zum Inhalt:


300.000 Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen wurden im Dritten Reich ermordet, weil sie als sogenannte "Balllastexistenzen", als "nutzlose Esser" galten. Für sie gab es keinen Schutz, weder in der Obhut von staatlichen, noch von kirchlichen Fürsorgeheimen. Aus der Diakonissenanstalt Neuendettelsau im Landkreis Ansbach wurden etwa 1200 Menschen aus der ganzen Region mit Bussen abgeholt und in staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt. Die meisten von ihnen starben in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz, viele aber wurden erst ermordet, als die organisierten Deportationen längst eingestellt waren: Im Rahmen der sogenannten „dezentralen Euthanasie“ starben sie in staatlichen Anstalten wie Ansbach und Erlangen, wo sie von den Ärztinnen und Ärzten vergiftet wurden oder man sie verhungern ließ.

Mitte der 1980er Jahre hat die Diakonie Neuendettelsau als eine der ersten kirchlichen Einrichtungen ein Autorenteam, darunter den Erlanger Psychoanalytiker und Medizinhistoriker Dr. Hans-Ludwig Siemen, damit beauftragt, nach jahrzehntelangem Schweigen die Verstrickung der Diakonissenanstalt in das NS-"Euthanasie"-Programm aufzuarbeiten. Das daraus resultierende Buch "Warum sie sterben mussten" war schnell vergriffen, das öffentliche Interesse enorm. Denn Ärzte und Pfarrer aus Neuendettelsau ließen die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Einrichtungen nach anfänglichem Zögern nur allzu bereitwillig in andere Anstalten verlegen.
Insbesondere nach Ansbach gab es dabei eine unheilvolle Verbindung...

Die Medienwerkstatt hatte offenen Zugang zum Zentralarchiv der Diakonie Neuendettelsau und zeichnet den Leidensweg der Neuendettelsauer "Pfleglinge" nach.


Der Historiker Dr. Hans Rößler aus Neuendettelsau hat 1981 den ersten Durchbruch bei der Aufarbeitung der Deportationen angestoßen: eine Gedenktafel direkt neben der Kirche.


Der Medizinhistoriker & Psychoanalytiker Dr. Hans-Ludwig Siemen war Teil des Autorenteams, das Mitte der 1980er Jahre vom damaligen Direktorium mit der Aufarbeitung der Ereignisse beauftragt wurde. Daraus entstand ein schnell vergriffenes Buch: "Warum sie sterben mussten" (1991). Der Veröffentlichung folgte ein Aufschrei.



Der Medizinhistoriker & Psychiater Dr. Michael von Cranach und Historiker Dr. Mark Deavin analysieren gemeinsam Akten der Ansbacher "Euthanasie"-Opfer. Mark Deavin plant ein Gedenkbuch für sie; insbesondere für die Opfer der Kinderfachabteilung. Deren Leiterin war beratende Ärztin in Neuendettelsau.

 

 

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