Kategorie: Zeitgeschichte
02.02.2001

„Wartesaal“ zur Emigration

Georgensgmünd blickt auf eine lange jüdische Geschichte zurück. Seit dem 16.
Jahrhundert bis zur Vertreibung durch die Nationalsozialisten 1938 lebten Juden in der mittelfränkischen Gemeinde. Es ist nahezu unbekannt, dass es nach 1945 in Georgensgmünd zu einer Wiedergeburt des jüdischen Lebens kam. Knapp vier Jahre war die fränkische Gemeinde Zufluchtsort für etwa 30 Überlebende aus den NS-Vernichtungslagern. Die damalige US-Militärregierung quartierte die Menschen in beschlagnahmte Wohnungen ein.
Dort sollten sie sich von den jahrelangen Qualen und Demütigungen erholen und wieder zu Kräften kommen, bis sie schließlich nach Israel oder in die USA auswandern konnten.
Seit 52 Jahren leben Lili und Julius Susser im US-Bundesstaat Colorado. Von 1947 bis 1949 wohnten sie im Hause einer Georgensgmünder Familie. Das anfängliche auf beiden Seiten vorhandene Misstrauen zwischen den einquartierten Holocaust-Überlebenden und den deutschen Bewohnern verwandelte sich rasch in offene Sympathie. Aus der Zwangsgemeinschaft entwickelte sich eine Freundschaft, die nun schon seit über 50 Jahren
besteht. Bereits mehrmals verbrachten Lili und Julius Susser ihren Europaurlaub in Georgensgmünd.

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