Kategorie: Soziales
06.10.2015

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

2015 schreckte die Nachricht auf, Deutschland belege bei der Geburtenrate den letzten Platz weltweit. Doch sieht man sich den Alltag deutscher Familien genauer an, wird schnell klar: Es gibt heutzutage viele Gründe, auf Kinder zu verzichten.

Nachdem das Alleinverdiener-Modell weitgehend ausgedient hat, ist es inzwischen Normalität, dass beide Partner berufstätig sind. Aber die Rahmenbedingungen hierzulande ermöglichen es Paaren kaum, Beruf und Familie für beide zufriedenstellend zu vereinbaren. Männer würden oft gerne weniger arbeiten und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen; was selten vom Arbeitgeber unterstützt wird und oft auch finanziell gar nicht machbar ist - dafür ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen einfach zu groß.

Also landen in der Regel die Frauen in der Teilzeitfalle; mit niedrigerem Gehalt als vor der Babypause, weniger anspruchsvollen Aufgaben und am Ende auch noch geringeren Rentenansprüchen. Trotz Teilzeit bleibt kaum Zeit zum Durchatmen – Hausarbeit & Co müssen neben Beruf und Kinderbetreuung gemanagt werden; das bisschen Haushalt macht sich eben doch nicht von alleine. 

Anerkennung für den täglichen Spagat gibt’s keine; dafür das schlechte Gewissen, weder Beruf noch Familie wirklich gerecht zu werden. Und wie Einzelhandelskaufleute, Krankenpfleger oder andere Berufsgruppen im Schichtdienst, wo die Arbeitszeit von den vorhandenen Betreuungsangeboten völlig abweicht, Beruf und Familie vereinbaren sollen, das scheint momentan ausschließlich die Betroffenen zu interessieren.

Die MEDIENWERKSTATT hat Familien aus der Region getroffen, die dem täglichen Wahnsinn im Hamsterrad mit unterschiedlichsten Modellen begegnen.

Autorin: Vanessa Hartmann, 2015

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