Kategorie: Kulturelles
01.11.1998

„Am Schabbes hat der Schoufet frei“

Im Oktober 1938 vertrieben die Nazis die letzten Schopflocher Juden. Das Gebäude der Synagoge wurde mit allem Inventar zerstört und danach abgerissen. In der mittelfränkischen Ortschaft existierte seit dem 16. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde. Daran erinnern heute noch das Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule und ein im Jahr 1612 angelegter Friedhof.

Neben den steinernen Relikten gibt es in Schopfloch ein weiteres außergewöhnliches Zeugnis, das die lange jüdische Tradition in der Gemeinde belegt. Das Lachoudische: Eine Geheim- und Handelssprache, die mit vielen Wörtern aus dem Hebräischen bzw. Jiddischen gespickt ist. Bis in die NS-Zeit war Lachoudisch nicht nur die Sprache der fränkischen Viehhändler, sondern wurde auch von vielen Bewohnern des Ortes gesprochen.

Mit der Machtübernahme der Nazis verschwand auch die als “jüdisch“ verpönte Sprache aus dem alltäglichen Gebrauch. Heute sprechen nur noch eine Handvoll alter Männer und ein paar wenige Sprachschüler der jüngeren Generation Lachoudisch. Dem will der Schopflocher Bürgermeister entgegenwirken. Seit längerem arbeitet Hans-Rainer Hoffmann an einem Wörterbuch und versucht damit die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren.

Die Medienwerkstatt Franken machte sich auf die Suche nach den letzten Spuren der geheimnisvollen Sprache. Neben dem Bürgermeister kommen Schopflocher Bürgern, die in ihrer Kindheit Lachoudisch noch als Muttersprache lernten, zu Wort. Der gebürtige Schopflocher Hans Rosenfeld, der nach New York emigrierte, berichtet in dem Beitrag über seine Erinnerungen an Franken und die Sprache seiner Jugend.

Autor: Jim Tobias

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